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TV-„Team Wallraff“ bei HSK: Klinik krank gespart? Helios prüft Vorwürfe

20160111-235530-86130029.jpgWiesbaden, 11. Januar 2016 – Die Journalisten vom „Team Wallraff“ berichteten heute im TV (RTL, 21.15 Uhr, Symbolfoto: Thinkstock) über den Pflege-Alltag in Kliniken. Dabei wurde neben Kliniken in München-Harlaching (Städtische Klinik) und Berlin-Buch (Helios) auch die Wiesbadener HSK (Helios Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken) erwähnt.
Reporterin Pia Osterhaus bewarb sich für die Sendung unter anderem unter dem Namen „Daniela“ im Mai 2015 als Pflegepraktikantin in der HSK-Notaufnahme und filmte (offenbar mit versteckter Kamera) Situationen mit Ärzten und Pflegern im Dauerstress die aber ihr Bestes gäben, angeblich 700 geplanten Überstunden im Mai 2015, Einsparungen bei Hilfsmitteln wie dünneren Handschuhen und unpraktischen Butterfly-Nadeln welche Probleme beim Blutabnehmen verursachten.
Eine HSK-Mitarbeiterin sprach im Interview mit Enthüllungsjournalist Günter Wallraff in der Sendung von der Gefahr „Akuter Sterbehilfe“ durch Personalmangel an den HSK.
In Beziehung gesetzt werden die Probleme im TV-Bericht mit Sparmaßnahmen durch die Helios Klinikgruppe, die die HSK im Mai 2014 zu 49 Prozent übernommen hatte und Gewinn erwirtschaften will (51 Prozent der HSK hält weiterhin die Stadt Wiesbaden). 300 Stellen wurden seit der Übernahme abgebaut, die HSK wird vom „Team Wallraff“ im TV als „tief in den roten Zahlen“ stehend genannt. Im Bericht gezeigt werden außerdem wartende Patienten auf den Gängen der HSK-Notaufnahme, Schmutz auf dem Boden durch Einsparungen bei der Reinigungsfirma, Fehler bei der Probenbeschriftung in der Notaufnahme (Proben könnten so falschen Patienten zugeordnet werden). 618 Überlastungsanzeigen soll es außerdem von medizinischen Mitarbeitern in der HSK von Januar bis September 2015 gegeben haben.
Die Helios hat dazu heute folgende Stellungnahme veröffentlicht:
„Der Sender RTL prangert in seinem TV-Magazin ‚Team Wallraff – Reporter undercover‘ vom 11.1.2016 angebliche Missstände in zwei HELIOS Kliniken an. Soweit in der Sendung Tatsachen berichtet werden, die der Wahrheit entsprechen, werden wir diese in Kürze auf unserer Homepage transparent erklären und dazu Stellung beziehen.
Uns bislang nicht bekannte Kritikpunkte werden wir gründlich prüfen. Sollten sie zutreffen, werden wir die Ursachen aufklären und so schnell wie möglich Verbesserungen entwickeln und umzusetzen. Sollten in der Sendung falsche Tatsachen berichtet werden, werden wir dagegen gerichtlich vorgehen.
Gleichzeitig ist es ist für uns nicht akzeptabel, dass sich Journalisten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in unseren Kliniken als Mitarbeiter ausgegeben haben und auf diese Weise in sensiblen Bereichen sowohl Patientenkontakt hatten als auch verdeckt Bildmaterial hergestellt haben.
Zur HELIOS Kliniken Gruppe gehören 111 eigene Akut- und Rehabilitationskliniken inklusive sieben Maximalversorger in Berlin-Buch, Duisburg, Erfurt, Krefeld, Schwerin, Wuppertal und Wiesbaden, 52 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), fünf Rehazentren, zwölf Präventionszentren und 15 Pflegeeinrichtungen. HELIOS ist damit einer der größten Anbieter von stationärer und ambulanter Patientenversorgung in Deutschland und bietet Qualitätsmedizin innerhalb des gesamten Versorgungsspektrums. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.
HELIOS versorgt jährlich rund 4,5 Millionen Patienten, davon 1,2 Millionen stationär. Die Klinikgruppe verfügt insgesamt über mehr als 34.000 Betten und beschäftigt rund 68.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2014 erwirtschaftete HELIOS einen Umsatz von rund 5,2 Milliarden Euro. Die Klinikgruppe gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

7 Kommentare zu “TV-„Team Wallraff“ bei HSK: Klinik krank gespart? Helios prüft Vorwürfe

  1. jeky
    12. Januar 2016

    „Gleichzeitig ist es ist für uns nicht akzeptabel, dass sich Journalisten unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in unseren Kliniken als Mitarbeiter ausgegeben haben und auf diese Weise in sensiblen Bereichen sowohl Patientenkontakt hatten als auch verdeckt Bildmaterial hergestellt haben.“

    Jo, liebe HELIOS-Kliniken, DAS glaube ich gerne, dass Ihnen das mit dem Bildmaterial und den Kontakten nicht passt.
    Ich vermute, Herr Wallraff sieht Ihrer Klageandrohung ziemlich gelassen entgegen.

  2. Peter Leithoff
    12. Januar 2016

    Die Heliosgruppe will die Kritikpunkte prüfen. Das ist zwar schön, aber man muss befürchten, dass die Analyse genau wie die Erstreaktion oben sich beherzter mit finanziellen Parameter beschäftigt.

    Wäre es nicht angebracht, wenn das Gesundheitsamt unangemeldet die Hygienesituation in der HSK prüfen würde? Ist eine derartige Prüfung nicht sogar aufgrund des Verdachts verpflichtend?
    Ebenso, ist nicht die Stadt Wiesbaden nun gezwungen zu prüfen , ob die Personalsituation und die Kapazitäten der Intensivstation der HSK Mindestanforderungen erfüllen?

    Dr. Peter Leithoff
    Niedergelassener Arzt in Wiesbaden

    • Julia Diemer
      14. Februar 2016

      Sehr geehrter Herr Leithoff, ich kann dem was sie sagen nur zustimmen. Nur man darf die Peripherstationen zum Bsp Neurologie nicht vergessen was die Personalsituation betrifft.Auch hier sollte überprüft und nachgebessert werden.

  3. Daisy
    12. Januar 2016

    Die katastrophalen Zustände in den HSK wurden, dank Team Wallraff, endlich einmal für die breite Öffentlichkeit transparent dargestgellt. Doch diese Zustände betreffen nicht nur das medizinische Personal sondern zieht sich durch den gesamten Mitarbeiterpool! Alle Angestellten fahren seit langem am / über Limit! Der totale Zusammenbruch ist da schon vorprogrammiert! Fast alles wurde „outgesourct“..das Essen (was bekanntlich massgeblich für eine schnelle Genesung zuträglich ist) ist eine (orale ) Zumutung…die hygienischen Zustände ebenfalls!!!!
    Es stellt sich die Frage wieso die HSK von einem Konzern zum nächsten „verramscht“ wird. Sagte Herr Gericht nicht einst, dass die HSK in kommunaler Hand bleibt……wieso hatte die Unterschriftensammlung die gegen den (teilweisen) Verkauf mit ausreichend Unterschriften eingereicht wurde plötzlich „Formfehler“? Die Wiesbadener Bürgerinnen und Bürger wollte nicht das die HSK in private Hand übergeht! Denn jedem mit gesundem Menschenverstand musste klar sein dass Profit erwirtschaften und Gesundheit nicht zusammen passen.
    Mit Grundnahrungsmitteln und Gesundheit darf nicht spekuliert werden!!!t

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  6. Agnes
    10. Mai 2016

    Das Blutproben verstauscht oder auf nimmer wiedersehen verschwinden, habe ich selber erlebt. Der Mitarbeiterpool tut sein Bestes, kann aber beim besten Willen die personellen Engpässe nicht ausgleichen. So fallen Reihenweise Therapien aus, berechtige Beschwerden von Patienten werden missachtet oder vergessen. Selbst Überweisungen von einer HSK Klinik in die Andere können nicht durchgeführt werden, weil es keine Termine gibt. Erst nach massivem Drängen wg. Notfall wurde eine Patientin angenommen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. Januar 2016 von und getaggt mit , , , , , , , , , .
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