MEIN WIESBADEN

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Wir machen unser Wetter selbst! Diplom-Meteorologe Dominik Jung über Kachelmann, Eiswein und andere Stürme

Dominik Jung, 35 Jahre alt, Diplom-Meteorologe beim Wetterportal wetter.net (Q.met GmbH), ist „Wetterfrosch“ aus Leidenschaft und bundesweit bekannt.
Im Gespräch mit „Mein Wiesbaden“ erzählt er über Kältepeitschen, Kachelmann, Eiswein-Prognosen und warum Wiesbaden wettermäßig wunderbar ist.

Herr Jung, wie kommt man auf die Idee, Wetterforscher zu werden?

Dominik Jung: „Als ich klein war, hatte mein Vater, der bei Michelin arbeitete, ein Riesen-Thermometer, mit dem man bei der Reifenherstellung die Kesselinnentemperatur misst. Das hatten wir im Garten aufgestellt und da war die aktuelle Temperatur auf einer rot leuchtenden Anzeige zu sehen. Das fand ich beeindruckend. Später bekam ich noch einen Niederschlagsmesser dazu und ich wusste immer, ich will mal was mit Wetter machen. Ich wusste aber gar nicht, dass man das studieren kann. Erst an der Uni Mainz sah ich dann, dass es ein Institut für Physik der Atmosphäre gibt. Da war mir klar, das studiere ich.“


Heute sind Sie Diplom-Meteorologe und seit 11 Jahren bei Q.met in Wiesbaden beschäftigt. Ihren Namen kennt man in ganz Deutschland. Würden Sie sagen, es gibt eine Top Ten der Meteorologen und wo liegen Sie im Ranking?

Dominik Jung: „Ich glaube ein Ranking gibt es da nicht, aber ich bringe das Wetter gerne auf den Punkt und mache klare Aussagen. Ich glaube, das gefällt den Leuten.“

Ihre Wortschöpfung „Russische Kältepeitsche“ schaffte es immerhin bis auf Seite 1 der Süddeutschen Zeitung.

Dominik Jung: „Ja, genau! Der Artikel hängt auch bei mir im Büro an der Wand. Mittlerweile hat so ziemlich jede Redaktion im Land meine Telefonnummer.“

Auch über Sie und Herrn Kachelmann wird viel geschrieben. Wie sehen Sie ihn als Meteorologe: Große Nummer oder kleiner Fisch?

„Ich hab ihn als kleines Kind gerne geschaut im Fernsehen, damals als er Anfing in der ARD zu moderieren in den 90ern, da war ich 13/14 Jahre alt.
Irgendwann hat er begonnen über mich herzuziehen, ‚Gaga-Vorhersagen von Dominik Jung‘ und so weiter. Es geht dabei um meine Jahreszeitentrends. Er sagt, so etwas könne man nicht machen, das sei unseriös. Heute erst wieder hat er auf seiner Facebook-Seite über mich gepostet ‚#vollpfostenjournalismus meets #vollpfostenmeteorologie reloaded‘. Ich weiß nicht, vielleicht denkt er, er weiß alles. Oder vielleicht hält er sich für Goethe, der war der letzte Universalgelehrte…“

Sie nehmen ihm das aber nicht krumm?

Dominik Jung: „Nein. Ich denke, das muss man alles auch ein bisschen mit Humor sehen. Ich glaube es gibt wirklich wirklich wichtigere Dinge auf der Welt als die Frage, wessen Wetterprognose eher stimmt.“

Stimmt es, dass Sie ein Diplom haben und er laut Wikipedia-Eintrag nicht?

Dominik Jung: „Ja, ich bin Diplom-Meteorologe. Meteorologe darf sich übrigens jeder nennen, der Titel ist nicht geschützt.“

Es kann also jeder seinen Hobby-Wetterdienst eröffnen?

Dominik Jung: „Ja. Wir stellen zum Beispiel auf Wetter.net Rohkarten für Hobby-Meteorologen zur Verfügung. Auch der Amerikanische Wetterdienst gibt kostenlos Daten ab. Der Deutsche Wetterdienst macht das übrigens nur sehr eingeschränkt, obwohl er mit Steuergeldern finanziert wird.“

Sie sind die rechte Hand vom Chef bei Wetter.net – können Sie es sich leisten, mal daneben zu liegen?

Dominik Jung: „Ich habe auch mal Fehlprognosen, dazu stehe ich. Es gibt Kollegen in der Branche, die würden sich lieber den Arm abhacken, als das zuzugeben. Aber ich finde, man muss auch mal klare Aussagen machen und dazu stehen.“

Wann ging es mal so richtig in die Hose?

Dominik Jung: „Unser Chef Norman Gabler hatte letzten Sommer einen wichtigen Termin in Wiesbaden mit Stadtvertretern. Ich habe ihm gesagt, das Gewitter würde vorbeiziehen. Dann kam das Gewitter doch und mein Chef und die Gäste wurden ‚gebadet‘ wie noch nie. Das war nicht witzig. Aber er war zum Glück nicht böse. Die Natur lässt sich eben noch nicht hundertprozentig vorhersagen.“

Wie wird das überhaupt gemacht mit der Wettervorhersage? Und wer sind Ihre Kunden?

Dominik Jung: „Heute werden die Prognosen am Computer errechnet. Die erste Wettervorhersage in den 60er Jahren wurde noch mit der Hand durchgerechnet, da war der Tag vorbei. Wir bieten heute einen Full-Service-Wetterdienst. Wir haben ein eigenes Modell und eigene Software dafür entwickelt. Wir veredeln quasi die globalen Daten und können für jeden Ort eine punktgenaue Prognose abgeben. Unsere Kunden sind Tageszeitungen, Onlinedienste, Straßenmeistereien, Privatpiloten und mehr. Wir machen Solar- und Energieertragsprognosen, Agrarwetter-TV und Weinfaxe für Winzer.“

Dann sind Sie auch in Sachen Eiswein heiß gefragt?

Dominik Jung: „Ja, ich bekomme regelmäßig Anfragen von Winzern, wann es minus 7 Grad hat, erst dann darf der Eiswein gelesen werden. Sollten noch irgendwo Trauben hängen: In der Nacht zum Samstag hätte es dafür ideale Bedingungen, minus 11 Grad.“

Stimmt es, das es in Wiesbaden als Nizza des Nordens immer ein bisschen wärmer ist?

Dominik Jung: „Ja, Wiesbaden liegt unten zwischen Pfälzer Wald, Taunus und Hunsrück, das ist wie ein Schutzwall.“

Was sagt der Wetter-Experte zum Klimawandel?

„Das Klima war die letzen 1000 Jahre im Wandel. Im Mittelalter konnte man sogar zeitweise bis weit nach Nordengland Weinanbau betreiben, so warm war es damals. Heute geht das meist nur noch in Südengland. Es gibt jetzt eben den Mensch auf der Welt und das Klima passt sich an. Ich sage mal: Wir werden nicht ertrinken nächste Woche.“

Gibt es eine Bauernregel die stimmt?

„Die mit dem Siebenschläfer (27. Juni) ist ganz gut: So wie das Wetter die letzte Juniwoche erste Juliwoche ist, bleibt es die nächsten 7 Wochen. Das stimmt zu 60-70 Prozent.“

Sind Sie gerne Wetterfrosch oder möchten Sie auch mal was anderes machen?

Dominik Jung: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Sogar im Urlaub letzte Woche in Ägypten habe ich bei 26 Grad am Pool Telefon-Interviews gegeben über das Winterwetter in Deutschland.
Ich mache auch Zuhause ständig Prognosen: Mädels aus meinem Freundeskreis wollen zum Rosenmontagszug das Wetter wissen. Ich rate den Narren sich dicker anzuziehen: Es wird wohl winterlich bei 0 Grad. Comedian Matthias Jung ist grade auf der AIDA bei den Kanaren unterwegs und wollte das Reisewetter wissen: Sonne, Sonne, Sonne.“

Was wäre ein Traum für die Zukunft? Fernsehen vielleicht?

Dominik Jung: „Fernsehen wäre schon schön, ich hatte auch mal vor ewigen Zeiten – noch zur Studentenzeit – eine Probemoderation
beim ZDF, übrigens habe ich damals zwei wirklich sympathische Meteorologen kennen gelernt: Gunther
Thiersch und Katja Horneffer. Aber damals wollte das ZDF mich nicht und vielleicht müsste ich mir auch erst meinen Rheinhessischen Dialekt abtrainieren. Bisher spreche ich täglich um 7 Uhr in unserem Studio das Wetter-TV. Das macht auch viel Spaß.“

Dominik Jung lebt in einem 150 Jahre alten Haus in Stadecken-Elsheim bei Bad Kreuznach. Er ist täglich im Wetter-TV auf Wetter.net zu sehen.

Das Interview führte Pilar May

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5 Kommentare zu “Wir machen unser Wetter selbst! Diplom-Meteorologe Dominik Jung über Kachelmann, Eiswein und andere Stürme

  1. Daniel
    24. Januar 2013

    Lassen Sie sich nichts gefallen von der neidischen Konkurrenz, Herr Jung! Ich finde Ihre Arbeit super!

  2. Henning
    25. Januar 2013

    Ein sehr sympathisches Interview! Klasse.

  3. Thomas
    25. Januar 2013

    Herr Jung gibt den Menschen nur was sie wollen, riskante Langfrist-Prognosen. Natürlich ist das ehrenwert, dass er uns frühzeitig vor Wetterphänomenen warnen will, keine Frage! Nur führt das einfach zwangsläufig zu vielen Fehlmeldungen. Das finde ich persönlich etwas schade, denn dadurch wird das Vertrauen in die gesamte deutsche Meteorologie und somit in ALLE Meteorologen erhebich geschwächt. Er hat einfach den hohen Rang als Bild-Experte und diese Verantwortung sollte er sich meines Erachtens bewusst machen, anstatt sich dem medialen Druck zu beugen spektakuläre Meldungen zu liefern. Aber Respekt Herr Jung, sie wissen sich gut zu verkaufen 😉

    • Alex
      26. Januar 2013

      Sind nicht die Klimapropheten wie Mojib Latif deutlich riskanter? Deren Klimaprognosen gehen teilweise bis 2050 und darauf stützen sich völlig blind ganze Regierungen. Im Jahr 2000 hieß es noch, das es keine Winter mit Eis und Schnee mehr in Deutschland geben wird….tja…das ging schonmal in die Hose. Dieses Zitat stammt übrigens von jenem Mojib Latif. Herrn Jungs Langfristtrends sind einfach nur Unterhaltung. Mehr nicht, sie richten keinen Schaden an.

  4. Jörn
    2. Februar 2013

    Good bye Kachelmann! Die ewigen Lästereien und Beleidigungen der Konkurrenz waren wohl auch seinem Arbeitgeber zu viel. Herr Jörg Kachelmann verlässt das von ihm einst gegründete Unternehmen Meteomedia. Herr Jung darf sich freuen:

    http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Joerg-Kachelmann-ist-bald-nur-noch-freier-Berater-bei-Meteomedia/story/14323769

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 24. Januar 2013 von und getaggt mit , , , , , , , , , .
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