MEIN WIESBADEN

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TV-Star Ingeborg Schöner: So lebte ich in Wiesbaden

Ingeborg Schöner erinnert sich gerne an Ihre Zeit in Wiesbaden

Ingeborg Schöner erinnert sich gerne an Ihre Zeit in Wiesbaden. Foto: ingeborg-schoener.de

Wiesbaden, 20. April 2015 – Ihre Erinnerungen an Wiesbaden sind zauberhaft, ihr Temperament beim Erzählen mitreißend: TV-Star Ingeborg Schöner (79, „SOKO 5113“), die heute in München lebt, erinnert sich gerne an Ihre Zeit in Wiesbaden: „Ich bin in Wiesbaden-Biebrich geboren und ich hatte eine tolle Kindheit!“ In MEIN WIESBADEN erzählt sie vom Leben in ihrer Heimatstadt:

Für ein halbes Jahr gab es nach dem Krieg erst mal keine Schule „dann haben wir ein Brikett mitgebracht und erste Aufgaben bekommen. Für uns Kinder war das ein Abenteuer.“ Ingeborg Schöners Vater Eduard war im Krieg an Flecktyphus verstorben, sie lebte mit Ihrer Mutter Charlotte und dem sieben Jahre jüngeren Bruder Helmut zu dritt in einer Wohnung: „Wir hatten drei Zimmer und mussten zwei davon vermieten. Da zog in ein Zimmer der Dr. Hans Kloos vom Feuilleton des Wiesbadener Kuriers ein. Da war ich etwa 12 Jahre alt. Er hatte immer die neuesten Bücher zur Besprechung und ich durfte sie lesen. Und am Abend sagte er oft ‚und welche der Damen kommt jetzt mit mir ins Theater?‘ und ich durfte dann mitgehen in die Oper und mit Dr. Kloos 2. Reihe Mitte sitzen, wenn er Aufführungen ansah, um darüber Kritiken zu schreiben. Carmen, die Meistersinger, es war wunderbar.“ Und dann wurde sie selbst zur „Redakteurin“: „Es gab eine Studienfahrt der Deutsch-Französischen Gesellschaft nach Belgien und Dr. Kloos ließ mich dort mitfahren mit meiner Mutter. Da standen also alle da vor der Abfahrt, auch ein älterer Herr vom Tagblatt. Und alle warteten auf den Redakteur des Kuriers. Bis ich dann sagte – ‚das bin ich!‘. Das konnten die Herren gar nicht fassen“. Geschrieben hat sie den Artikel dann doch „Ich war damals noch sehr jung, der Artikel hieß ‚Im Land des Glockenspiels‘, es war eine tolle Reise – ich war seitdem nie wieder da.“ Der Artikel wurde im Wiesbadener Kurier abgedruckt – und Ingeborg Schöner hat ihn bis heute aufbewahrt.

Ingeborg Schöners "Erstlingswerk" als Autorin: Ihr Artikel im Wiesbadener Kurier

Ingeborg Schöners „Erstlingswerk“ als Autorin: Ihr Artikel im Wiesbadener Kurier

Wie ihre Erinnerungen an die Tanzschule Bier, wo man sie für die ersten Modeaufnahmen entdeckte: „In der Tanzschule Bier konnte man sonntags für eine Mark drei Stunden tanzen. Meine Mutter hat mir das erlaubt, sie war sehr großzügig. Dann kam eines Tages ein Fotograf einer Frankfurter Illustrierten und machte Fotos wie wir tanzten. Er fragte mich, ob ich Zeit hätte, es sollte eine Schaffnerin fotografiert werden, ich sollte 25 Mark dafür bekommen. Also wurde ich dort in Frankfurt unter der Waage der Justitia fotografiert – die Uniform der Schaffnerin war mir viel zu groß und wurde ausgestopft.“

Ingeborg Schöner als "Schaffnerin" auf dem Titelbild der Frankfurter Illustrierten 1951

Ingeborg Schöner als „Schaffnerin“ auf dem Titelbild der Frankfurter Illustrierten 1951

Es blieb nicht bei den Schaffner-Aufnahmen: „Ich habe dann für den Modeverlag Schwabe-Bayer in der Adolfsallee in Wiesbaden Fotos gemacht. Ich habe Lateinvokabeln gelernt, während sie mir die Kleider absteckten.“ Eine Modelkarriere plante Ingeborg aber nicht: „Ich wollte Lehrerin werden!“

Eines Tages ging sie dann doch mit zum Film: „Ein Freund hatte mich abgeholt und gesagt ‚komm doch mal mit‘. Da lernte ich die Baronin Maria Osten-Sacken kennen. Sie hatte Unter den Eichen eine Filmproduktion und hatte grade Christine Kauffmann entdeckt. Sie sagte zu mir ‚wissen Sie, dass Sie fotogen sind?‘. Dann wollte sie unbedingt Probeaufnahmen mit mir machen. Ich wollte erst nicht und fand das albern, aber sie hatte sich die Adresse von meiner Mutter besorgt und schließlich gab ich nach und spielte vor der Kamera eine Eisverkäuferin. Meine Mutter war dabei und mein kleiner Bruder holte sich in den Drehpausen immer Eis von mir. Am nächsten Tag hatte er fürchterliches Bauchweh“. Aber die Aufnahmen gefielen: Ingeborg Schöner hatte ihre erste Rolle im Film „Der schweigende Engel“ mit Christine Kaufmann in der Hauptrolle, dann folgte „Der dunkle Stern“. „Wir drehten in München im Circus Krone, aber ich machte grade in Wiesbaden Abitur. Also ging Baronin Osten-Sacken zur Schulleiterin und sprach mit ihr. Ich bekam zehn Tage vom Kultusministerium frei, fuhr zum Dreh, kam morgens zurück nach Wiesbaden, meine Mutter wartete schon mit der Schulmappe unterm Arm auf mich, ich ging zum schriftlichen Abitur in die Schule und wieder zurück zum Dreh. Es war schrecklich anstrengend, aber ich habe ein Super-Abitur gemacht. Die Filmgesellschaft hatte mir Mathematikstunden bezahlt.“Auch der Dreh selbst war nicht ohne Tücken: „Ich hatte in den Zähnen unten eine kleine Zahnlücke gehabt. Man sah sie kaum, aber wenn die Aufnahmen auf der Leinwand geworfen wurden, sah man einen halben Meter Zahnlücke, also haben sie mir weißen Kaugummi da reingesteckt. Den habe ich aber vor Schreck hinuntergeschluckt. Also haben sie Kerzenwachs dazwischen gemacht, das klappte aber auch nicht gleich. Da haben sie sehr mit mir geschimpft, aber die Mitarbeiter vom Zirkus Krone haben mich getröstet. Das war wie Schneewittchen und die sieben Zwerge.“

Es folgte ein Engagement bei Arthur Brauner „für 500 Euro im Monat“ und eine erste Hauptrolle in Italien. Viele weitere Rollen folgten. Heute leitet Sie zwei Literaturkreise in München, bringt Hörbuch-CDs heraus (z.B. Theresa von Avila – Die innere Burg, Grimms Märchen) und gibt Meditationskurse.

Ingeborg Schöner liest Grimms Märchen, CD, 8 Märchen, 70 Min. Spieldauer, 12 Euro, www.ingeborg-schoener.de

Ingeborg Schöner liest Grimms Märchen, CD, 8 Märchen, 70 Min. Spieldauer, 12 Euro, www.ingeborg-schoener.de

Doch auch wenn sie in München lebt, Wiesbaden hat Ingeborg Schöner nie vergessen: „Die Konfirmation in der Lutherkirche, die Schulzeit am Boseplatz (heute Platz der Deutschen Einheit), das Opelbad, Schierstein, das Biebricher Rheinufer, der Kurpark – alles wunderschön. Meine Mutter ist in Wiesbaden geboren und ich auch: In der Frankfurter Straße 63 in Biebrich, heute ist das die Breslauer Straße. Da war damals die Klinik. Und ich habe auch noch eine Cousine und einen Cousin in Wiesbaden und einen Freund von der Tanzstunde. Also wenn man mich einlädt – ich komme sofort.“

Ingeborg Schöner als Ruth im Film "Guten Tag, Ramon" © 2014 Twentieth Century Fox

Ingeborg Schöner als Ruth im Film „Guten Tag, Ramon“ © 2014 Twentieth Century Fox

Für den Kinofilm „Guten Tag, Ramón“ kam Ingeborg Schöner zuletzt 2013 für Dreharbeiten nach Wiesbaden. Vor allem in Mexiko wurde der Film ein Erfolg: „In Mexiko kennt mich jetzt jeder Dritte“.

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. April 2015 von und getaggt mit , , , , , , , .
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