MEIN WIESBADEN

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Volles Haus und viele Fragen: So lief die Bürger-Werkstatt zum Wohnungs-Bau

20150811-225750-82670098.jpgWiesbaden, 11. August 2015 – Für 69 Millionen Euro sollen neue Wohnungen und ein Einzelhandel auf dem Gelände des ehemaligen “American Arms Hotel” an der Frankfurter Straße entstehen (MEIN WIESBADEN berichtete). Heute fand dazu die Planungswerkstatt statt, in der das Projekt von der Stadt vorgestellt und Bürger-Ideen gesammelt werden sollten.
Start um 18 Uhr, der Große Saal im ersten Stock der IHK (Wilhelmstraße) ist ziemlich voll besetzt.
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Die Experten der Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden (SEG) (Geschäftsführer Roland Stöcklin und ein Architekt) schildern zuerst die Historie (früher stand auf dem Gelände das erste Hallenbad Wiesbadens), 20150811-230402-83042442.jpg
dann wird der Ist-Zustand erklärt: Heute steht auf den 20.000 Quadratmeter großen Gelände ein Doppelstern-förmiges Gebäude mit 22.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche.20150811-230417-83057974.jpg
Dann geht’s los mit der Bürgerbeteiligung. Vier Themenbereiche werden besprochen:
1. Bebauungsstruktur, 2. Erschließung/Tiefgaragen, 3. Innere Vernetzung/Fußläufige Erschließung, 4. Gebäudetypologie/ Dachlandschaft.
Die SEG stellt ihre bisherigen Ideen/Pläne zum Projekt vor: Das American Arms Hotel wird abgerissen, auf dem Gelände sollen dann 309 Studentenwohnungen in einem 12 Meter hohen viergeschossigen Studentenwohnheim entstehen, dazu 26 sozial geförderte Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und 72 Eigentumswohnungen in drei- bis viergeschossigen Villen. Zum Parken entweder eine große Tiefgarage oder zwei (eine für’s Studentenwohnen und eine für das „Solitärwohnen“ in den Villen), oder Einzelgaragen oder drei große Garagen. Dazwischen viel Grün, schöne Wege „Durchwegung als Spannungsraum zwischen Plätzen und Wegen“, aber „kein öffentlicher Weg oder Schleichwege von a nach b“. Und eine „Differenzierte Dachstruktur“ (keine Flachdach-Wüste).
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Nach der Einführung schnaufen schon die ersten. Es ist klar: Das wird anstrengend.
Die restliche Zeit bleibt für Fragen aus dem Publikum:
„Was ist die große Idee dahinter?“, will einer wissen. Es geht ihm um „Vernetzung, die Leute aus der Isolation ihrer Villen herausholen“.
Einer will weniger Grün und „kompaktere Bebauung“, ein anderer mehr Grün.
Einer findet die Planung sozial bedenklich („Studenten wollen nicht da wohnen mit Blick auf „Eliten-Villen“).
Anderen geht es um Lärmemissionen („Das Nutzerverhalten von Studenten ist anders als das der Villenbewohner – wurden da Vorkehrungen getroffen?“).
Wieder andere befürchten einen Architektur-Einheitsbrei („wo bleiben klassizistische Elemente und Moderne?“).
Parken ist ein zentrales Thema in vielen Fragen:
Ist eine Tiefgarage am Parkplatzgrundstück geplant? (Antwort: Ein Wettbewerb unter 6 Architekturbüros ist in Arbeit).
Wie viele Stellplätze gibt es pro Wohnung? Wo sollen Besucher parken? Sollte man die Tiefgarage zweigeschossig bauen? (Der Bedarf soll noch ermittelt werden). Wer darf in die Tiefgarage? Und wer kontrolliert das? Wo liegen Einfahrt/Ausfahrt der Tiefgarage? (Laut Planung Einfahrt in der Viktoriastraße, Ausfahrt auf die Frankfurter Straße).
Eine Vertreterin der Grünen aus dem Ortsbeirat Südost will es lieber ganz autofrei: „Wieso plane ich da Autoverkehr rein?“ fragt sie. „Weil ich ein Auto habe!“ schallt es aus den Bürgerreihen neben ihr zurück. Die SEG-Experten erklären: Der rechtsverbindliche Bebauungsplan steht fest. Mit Autos.
Dann ist die Lärmbelästigung ein Thema: Kommt Lärm von der Frankfurter Straße ins Wohngebiet Viktoriastraße, gibt es dazu ein Gutachten? Nein, sagen die SEG-Experten. Der Verkehrslärm soll sich „im verschachtelten Gebäudekomplex fangen“.
Auch der Verkehr werde durch die neuen Wohnungen nicht zunehmen, es würden zum Schluss nicht mehr Menschen dort wohnen als das im Hotel der Fall war. Die Bürger sehen’s skeptisch.
Ein FDP-Mitglied des Ortsbeirats Südost erinnert an die „Beschulung der Kinder“: „Die zuständige Grundschule ist die Fritz-Gansberg-Schule, die aus allen Nähten platzt.“
Auch an Kinderkrippen sollte man denken, mahnt er. Gegebenenfalls den geplanten Supermarkt in Frage stellen.
Dann ist das Geländeniveau Thema (der Höhenunterschied zur Viktoriastraße bleibt erhalten).
Eine ältere Bürgerin fragt: „Wo wird der Markt sein?“ Antwort: Oben auf dem Gelände der Einzelhandel, dann Studentenwohnheim, dann Villen.
Ein Anwohner aus der kleinen Frankfurter Straße fragt, ob man nicht ein Hotel integrieren sollte, wegen der Rhein-Main-Hallen in der Nähe.
Die Experten geben ihm Recht, dass Wiesbaden noch ein Hotel vertragen könnte, sehen aber eher die Wilhelmstraße als Standort.
Andere befürchten, Personen könnten im Supermarkt Alkohol kaufen und sich im kleinen Park oberhalb der Wohnanlage breit machen.
Stöcklin dazu: „Ich weigere mich, Stadtentwicklung so zu sehen. Im Gegenteil: Wenn Familien mit Kindern sich dort niederlassen, werden sich die anderen dort eben nicht niederlassen.“
Auch die Belieferung des Supermarktes wird besprochen:
LKW sollen über die Frankfurter Straße anrollen.
Weitere Bürgerwünsche:
Fahrradverkehr begünstigen (nur Stellplatzsatzung anwenden aber nicht mehr), Individuelle Bebauung (die Villen sollen möglichst unterschiedlich aussehen).
Um 20.23 Uhr ist der offizielle Teil beendet, jetzt dürfen die Bürger im persönlichen Gespräch mit den Experten fachsimpeln und selbst an die Planung Hand anlegen: Dafür hat der Architekt eine Bastelkiste mit Häusern und ein Arbeits-Modell mitgebracht. Alle offenen Fragen haben die SEG-Experten notiert, weitere Ideen können über die SEG-Webseite eingereicht werden (klick). MEIN WIESBADEN wird weiter berichten.20150811-231559-83759294.jpg20150811-231558-83758962.jpg

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 11. August 2015 von und getaggt mit , , , , , , , , .
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